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Heimkinder als Schüler*innen zweiter Klasse?

Laut einer Studie der Diakonie Rheinland-Westphalen-Lippe werden zwölf Prozent der Kinder und Jugendlichen, die in stationären Einrichtungen der Diakonie untergebracht sind, regelmäßig vom Unterricht ausgeschlossen. Damit nehmen sie durchschnittlich weniger als 15 Stunden pro Woche am Unterricht teil.

 

Dieses Ergebnis ist erschreckend und deckt sich mit meiner Erfahrung, dass Kinder und Jugendliche aus der stationären Jugendhilfe bezüglich Bildung strukturell benachteiligt werden und häufig nur mit großem Engagement ihrer Betreuer*innen individuelle schulische Förderung erhalten. Nicht selten werden Heimkinder, die als besonders "schwierig" gelten, sogar monatelang gar nicht mehr beschult. Sie stehen dann zwar pro forma auf Klassenlisten der Schulbehörde, tauchen aber real in der entsprechenden Schule gar nicht auf und sind dort mitunter auch nicht wirklich erwünscht.

 

Wie Severine Thomas von der Universität Hildesheim im Interview mit dem Deutschlandfunk deutlich macht, ist ein zentraler Grund für diese Benachteiligung von Heimkindern in der mangelnden Kooperation zwischen dem Jugendhilfesystem und dem Schulsystem zu sehen. Zu oft agieren diese beiden Systeme unkoordiniert nebeneinander statt konstruktiv miteinander. Zum Glück gibt es aber auch Beispiele für best practice gelingender Kooperation. So habe ich während meiner Tätigkeit als Leiter der Beratungsstelle für schulische Gewaltprävention beim Wendepunkt e.V. die Zusammenarbeit zwischen den freien Trägern der Kinder- und Jugendhilfe, den Schulen, dem Jugendamt sowie dem Schulamt als sehr lebendig, engagiert und konstruktiv erlebt. Auf diese Weise konnten wirksame Hilfenetzwerke aufgebaut werden, von der primärpräventiven Mobbingprävention an Grundschulen bis hin zum sogenannten Kooperativen Schultraining für Kinder und Jugendliche mit besonderem Unterstützungsbedarf. Von solchen Kooperationen möchte ich zukünftig bundesweit mehr lesen!

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Kommentare: 2
  • #1

    Martin Tappe (Mittwoch, 06 Mai 2020 07:32)

    Moin Jakob,
    Die Studie klingt sehr interessant. Ich bin ja auch für die Schulmeiderprojekte in Bremen zuständig und mache sehr ähnliche Erfahrungen. Kann man die Studie irgendwo lesen?

    Lieben Gruß
    Martin

  • #2

    Martin Tappe (Mittwoch, 06 Mai 2020 07:34)

    Ach,. Ich sehe gerade das sie verlinkt ist :)